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Die polnische Illustratorin Iwona Chmielewska (White Raven Festival 2012) Weiterlesen
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Kinderbuchautor Adam Jaromir beim Rheinischen Lesefest – Käpt’n Book 2012. (Bildnachweis: Fotograf Sebastian Frankowski) Weiterlesen
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Die Ukraine auf der Leipziger Buchmesse 2013: Kinderbuchautorin Marjana Savka. Weiterlesen
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Neue ukrainische Kinderliteratur: Sashko Dermanskij signiert auf der Leipziger Buchmesse 2013. Weiterlesen
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Die Auswahl ist groß: Neue Kinderliteratur aus Mittel- und Osteuropa Weiterlesen
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Sibirische Literatur auf dem White Ravens Festival 2012 - Nikolaj Ponomarev und Katja Wiebe. Weiterlesen
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Dobar dan - Beogradski Sajam. Bücher unter der Riesenkuppel!

Das heutige Messegelände in Belgrad – so war es dem Reiseführer zu entnehmen -  wurde von Architekt Milorad Pantović geplant und 1957 erstmals für eine internationale Ausstellung genutzt. Besonders beeindruckte die Besucher damals die neue Messehalle 1, die bis heute Europas größter Kuppelbau ist. Darum ist diese Kuppel auch 2015 nicht weniger imposant als vor 58 Jahren. Ein dickes Ding!

Belgrad2

Imposant war aber auch das Treiben, das unter der Kuppel zu beobachten war: Die 60. Belgrader Buchmesse hatte ihre Tore vom vom 25. Oktober bis 1. November 2015 geöffnet, und die serbische Verlagswelt machte sich daran, Bücher * Bücher * Bücher zu verkaufen. An den sieben Messetagen verkauft ein serbischer Verlag ungefähr so viel, wie über den Buchladen in fünf Jahren! Darum ist auch die Messe in Belgrad, wie viele Buchmessen in Mittel- und Osteuropa, vor allem eines: Magnet für das serbische Lesepublikum. Umso mehr zu entdecken gibt es für ausländische Messeneulinge, wenn sie sich auf die Suche nach serbischer Kinder- und Jugendliteratur begeben: Schnell hatte sich herausgestellt, dass sich viele der serbischen Verlage, die sich auf Kinder- und Jugendbuch konzentrieren, allein auf den inländischen Markt schauen und sich weder auf der Frankfurter noch der Bologneser Buchmesse präsentieren. So zeigte der kleine Odiseja-Verlag eine tolle internationale Produktion, die Andreas Steinhöfels „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ und Tove Janssons „Mumins“ genauso umfasste, wie die tschechischen „Sockenfresser“ von Pavel Šrut oder Jean-Claude Mourlevat’s „Winterspiele“. Bei einer solchen hochwertigen Reihe war natürlich interessant, welche serbischen Kinderbuchtitel sich dazu gesellten. Und da tauchte ein Name immer wieder auf (und das nicht nur bei Odiseja): Jasminka Petrović (*1960)! Mit ihren Kinder- und Jugendbüchern ist sie seit mehreren Jahren die Königin unter den serbischen Kinderbuchautoren und – wie sich in Belgrad zeigte – eine wunderbare und unterhaltsame Gesprächspartnerin sowie Moderatorin. Jasminka Petrovićs neuestes Buch, erschienen bei einem der wichtigsten Kinderbuchverlage Serbiens Kreativni Centar, wurde auf der Messe vorgestellt. „Leto kada sam naučila da letim“ (Der Sommer, in dem ich fliegen lernte) ist die Geschichte von Sofia, die den Sommer auf der kroatischen Adria-Insel Hvar verbringt. Hinter der vordergründigen Adoleszenz-Geschichte setzt sich das Buch mit dem nach wie vor nicht leichten Verhältnis von Serben und Kroaten auseinander.

Jasminka Petrović: Leto kada sam naučila da letim. Kreativni Centar 2015.

Neben Jasminka Petrović war der 1972 geborene Kinderbuchautor Dejan Aleksić ein angesagter Typ auf Messe, und zwar für die vielen Kinder, die sich am Messedonnerstag über seine Wortspielakrobatik und Anekdoten kaputt lachten und auch an vielen Verlagsständen, die seine Bücher – das neueste ist ein ungewöhnliches ABC – anboten. Eine Geschichte von Dejan Aleksić ist auch vertreten in der Anthologie „Vidi čuda“ („Wunder sehen“), deren zweiter Teil pünktlich zur Messe erschienen ist (bei Služebni Glasnik). Dieses ungewöhnliche Projekt versammelt Geschichten über „Wunder-bare“ Erlebnisse aus der Kindheit, um die jeweils sieben namhafte serbische Kinderbuchautoren vom Verlag gebeten wurden.

Dejan Aleksić: Čudesni podvizi. Azbuka Prvog u trideset slova. Služebni glasnik 2015.
Jelena Trivan (Hrsg.): Vidi čuda II. Služebni glasnik 2015.

Die serbische Kinderliteratur scheint vor allem auf Erzählendes zu setzen, wie neben Kreativni centar oder Odiseja auch die Verlage Laguna, bookland und das sympathische Verlagshaus Pčelica mit ansprechend aussehenden Kinderbüchern aus dem Bereich der Fantastik (von z.B. Uroš Petrović) sowie des realistischen Kinderromans (von z.B. Igor Kolarov) zeigten. Unter der Belgrader Riesenkuppel gab es natürlich auch viele illustrierte Bücher zu sehen. Aus der Fülle von bunten Büchlein und vielfach auch Heften wurde schnell deutlich, dass eine Illustrationsästhetik mit niedlichen Figuren und Charakteren dominiert, die vor allem das Kindchenschema im Betrachter bedienen möchte. Eine brandneue Ausgabe des größten serbischen Kinderbuchklassikers Branko Čopić, illustriert von Marina Milanović, stach dazwischen hervor: In der„Izokrenuta priča“ (Die umgekrempelte Geschichte) wird nicht nur im Text alles auf Links gekrempelt und die Welt auf den Kopf gestellt, auch die Illustrationen verkehren alle gültigen Naturgesetze und zeigen eine tolle, absurde Welt, in man sich erstmal zurecht finden muss. Dieses Buch ebenso wie die witzig illustrierten Hefte von Boris Kuzmanović sind bei Zavod za učebnike erschienen.

Branko Čopić / Marina Milanović: Izokrenuta priča. Zavod za učebnike 2015.
Igor Kolarov / Boris Kuzmanović: Da, to su bizoni. Zavod za učebnike 2012.

Besonders aufregend war es natürlich, einen kleinen Einblick in die überaus aktive und über Serbiens Grenzen hinaus durchaus bekannte Comic-Szene zu bekommen: Und die Verlage und Druckereien Darkwood, Besna kobila, Komiko oder auch der Ableger der Londoner Künstlerplattform Modesty Stripovi zeigten viel! Neben dem 2014 preisgekrönten dunklen, dystopischen „Korporativni pandemonijum“ (Korporation Pandämonium) von Debütant Aleksandar Zolotić (*1987) gab es Boris Stanić (*1984) mit seiner Kindheitstrilogie in Comic- bzw. Graphic-Novel-Form zu entdecken: „Radosav“ ist ein außergewöhnliches Buchprojekt, in dem Stanić die Lebensgeschichte seines Großvaters zeichnet, die geprägt ist von den Kriegen und politischen Wirren des 20. Jahrhunderts. Nicht zu vergessen ist auch eine wunderschöne textlose Rotkäppchen-Ausgabe („Crvenkapa“) von  Vuk Palibrk (*1987). Palibrk hatte die 71 Illustrationen zu dem Märchen bereits 2012 als Kunstprojekt ausgestellt, erst 2014 wurde aus den schwarz-weißen und rotkäppchenroten Bildern ein Buch.

Vuk Palibrk: Crvenkapa. Komiko 2014.
Boris Stanić: Radosav jutarnja mogla. Komiko 2011.
Aleksandar Zolotić: Korporativni pandemonijum. Besna kobila 2014.

Viele dieser Entdeckungen und Bekanntschaften – mit Büchern und mit Menschen – wären allerdings gar nicht zustande gekommen ohne die unglaublich liebenswürdige, hilfsbereite und darüber hinaus noch bestens vernetzte Kinderbuchbibliothekarin Daniela aus Požega. Eine bessere Lotsin durch das labyrinthische Treiben unter der Messekuppel konnte es kaum geben.  

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ViVaVostok auf der Frankfurter Buchmesse 2015

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ViVaVostok-Projekt "Sozialistische Kindheiten" - ausgezeichnet!

Die Slavistik der Universität Hamburg kann sich freuen: Für ihr außergewöhnliches ViVaVostok-Projekt "Sozialistische Kindheiten. Streifzüge durch Polen, Russland und Slowenien" wurden die Dozentinnen Anna Artwińska und Katarzyna Różańska mit dem Hamburger Lehrpreis 2015 ausgezeichnet.

Die Preisträgerinnen Dr. Anna Artwińska und Dr. Katarzyna Różańska mit der dritten Projektinitiatorin Prof. Dr. Anja Tippner.
Dass es sich bei der durch den Preis gewürdigten "exzellenten Lehre" auch um "innovative Lehre" handelt, wird durch das Projekt ganz anschaulich: Im Januar 2015 gaben die drei Kinder- und Jugendbuchautorinnen Aneta Górnicka-Boratyńska (PL), Natal'ja Nusinova (RUS) und Janja Vidmar (SLO) mit ihren Büchern  Einblicke in sozialistische Kindheitswelten und diskutierten die kinderliterarische Aufarbeitung der kommunistisch-sozialistischen Vergangenheiten ihre Heimatländer.

Natal'ja Nusinova, Aneta Górnicka-Boratyńska und Janja Vidmar (mit Übersetzerin).

Die Veranstaltungen an Hamburger Schulen, in Buchhandlungen, Cafés, Bücherhallen oder an der Uni wurden von Studentinnen und Studenten bestens organisiert, vorbereitet und durchgeführt...mit Unterstützung der Dozentinnen sowie von professionellen Übersetzern. Denn neben der Veranstaltungsorganisation, die die Studierenden ganz praktisch in die Kulturarbeit einführte, bereiteten die Studierenden auch die Übersetzungen der Lesetexte für die Veranstaltungen über das Wintersemester hinweg vor. Doch damit nicht genug! Dem Themenkomplex der "Sozialistischen Kindheiten" wurde sich auch in einer eigens entwickelten Ausstellung zu den drei im Fokus stehenden Büchern angenähert. Und nachzulesen und nachzuverfolgen ist alles in einer umfassenden sozialmedialen Begleitung des Projektes.

ViVaVostok gratuliert auf das Herzlichste und freut sich ein bisschen für sich selbst mit!  

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Bücher Bolognese: Mittel- und osteuropäische Impressionen von der Internationalen Kinderbuchmesse (30. März – 2. April 2015)

Mit Kroatien als Ehrengast der diesjährigen Kinderbuchmesse in Bologna war von Vornherein ein Fokus auf Südosteuropa gerichtet. Neben der Ausstellung unter dem Motto „Living Waters, Living Stories“ stellte Kroatien an zwei Gemeinschaftsständen das nationale „Kinderbuch-Best-Of“ der letzten Jahre vor. Insgesamt wäre jedoch eine größere Sichtbarkeit und Aussagekraft dieses Auftritts schön gewesen.   Die internationale Illustratoren-Ausstellung versammelte 2015 „lediglich“ drei Künstlerinnen aus dem ViVaVostok-Einzugsgebiet. – Aber dafür drei besonders gute! Während die Polin Małgorzata Gurowska bereits bekannt ist und mit ihrer aktuellen Neuinterpretation von Julian Tuwims Kinderbuchklassiker „Die Lokomotive“ für Furore sorgt, waren mit Maja Kastelic aus Slowenien und Veronika Klímová aus der Slowakei zwei neue, junge Illustratorinnen am Start.   Gurowska   Maja Kastelic zeigte ihr textloses Bilderbuch voller kinderliterarischer Querverweise (u.a. Peter Sís, Shaun Tan) „Der Junge und das Haus“. Am slowenischen Gemeinschaftsstand konnte man darüber hinaus auch Einsicht nehmen in Kastelics Zusammenarbeit mit Brane Mozetič: Das Buch „Erste Liebe“ erzählt in berührender Weise von den zarten Freundschafts- und Liebesbanden zweier kleiner Jungen. WP_20150331_024 Veronika Klímová ist in der Slowakei durch die poetischen „Tiefseemärchen“ (zs. mit Monika Kompaniková) bekannt und zeigte in Bologna eine Auswahl aus ihrem weiteren Portfolio.   Im Rahmen des Bologna Ragazzi Award sahnten Jan Bajtlik und Katarzyna Bogucka aus Polen sowie Romana Romanyshyn und Andriy Lesiv aus der Ukraine in unterschiedlichen Kategorien hochverdiente „Special Mentions“ ab: Der grafische „Typo-Kritzler“ von Jan Bajtlik in der Kategorie „Non-Fiction“, Katarzyna Boguckas „Kulinarisches Arbeitsheft“ in der Kategorie „Books & Seeds“ und das Duo Romanyshyn/Lesiv in der Kategorie „New Horizons“ für ihr kluges Anti-Kriegs-Bilderbuch „Der Krieg der Rondo veränderte“.   Und sonst?   Am russischen Gemeinschaftsstand waren leider viele Wiederauflagen aus Sowjetzeiten anzutreffen, die Zeichen der restriktiven, rückwärtsgewandten Kinderliteraturpolitik sind (vgl. Jugendschutzgesetz), während interessante Neuerscheinungen eher versteckt, aber immerhin da waren, wie bspw. das surrealistisch anmutende Bilderbuch „Das rote Haus. Eine Ballade“ von Nastja Kovalenkova (Text) und Marija Michal’skaja (Illustration) oder Bücher vertreten durch unabhängige Verlage wie Samokat, KompasGid, Klever.   Erfreulich war neben der erstmaligen Messeteilnahme Georgiens mit einem Gemeinschaftsstand, dass einige Verlage aus der Ukraine (Vydavnictvo Staroho Leva) oder Slowenien (Miš) mit eigenen Messeständen vertreten waren.   Aus ViVaVostok-Sicht erfreulich war auch der „Relaunch“ des rumänischen Standes, der einige Zeit auf der Bologneser Messe vermisst wurde. Die rumänische Illustratorin Cristiana Radu war nicht nur mit vielen tollen Bilderbüchern oder illustrierten Märchenausgaben, sondern auch in persona vertreten und zeigte am Stand ihr Können. Daneben waren die Bücher aus dem Wettbewerb „Das schönste Buch Rumäniens“ besonders spannend und insbesondere die Abschlussarbeit von Andreea Dobrin „Tică! Ceauşescu has fallen!“, in der die junge Rumänin das Leben ihrer Großmutter vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse von 1989 illustriert.   IMG_4130   Die baltischen Länder zeigten sich mit – wie immer – ins Auge fallenden Gemeinschaftsständen: Litauische Bleistiftregalböden präsentierten neue Buchprojekte wie Ieva Babilaite’s „Skrisiu“ oder das lyrische Musikprojekt „Visi mes esame vaikai“, aber auch neue Verlage (Aukso žuvys). Und am lettischen Stand illustrierte die wunderbare Anita Paegle direkt und live: Dabei machte sie auch nicht vor den weißen Wänden des Messestandes halt.   IMG_4151

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In der kalten Jahreszeit darf es an süßen Erinnerungen des vergangenen Sommers nicht fehlen. Ein besonders schönder Rückblick auf die ViVaVostok-Veranstaltungen mit dem tschechischen Kinderlyriker Radek Malý und dem Illustrator Lukáš Urbánek hat die Stadtbibliothek Bremen in bewegten Bildern zusammengestellt: http://

Böhmen liegt am Meer der Kinderbücher - Ein Workshop mit Radek Malý und Lukas Urbanek in der Stadtbibliothek Bremen from Stadtbibliothek Bremen on Vimeo.

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Über Kinderbücher, illustrierte Bücher und Bilderbücher – zur aktuellen Situation des georgischen Kinderbuchmarktes

  Im Rahmen der diesjährigen Tbilisi Book Days fand am 30. November 2014 eine Podiumsdiskussion zur Situation des georgischen Kinderbuchmarktes dessen zukünftiger Entwicklung statt. Im Fokus stand dabei vor allem das zur Zeit in Georgien noch wenig präsente Bilderbuch. In einer zweigeteilten Diskussion ging es den Diskutanten Junko Yokota (Kinderliteraturforscherin, USA), Otar Karalashvili (Leiter des georgischen Book Art Centers), Herwig Bitsche (Kinderbuchverleger, Schweiz) und Birgit Fricke (Frankfurter Buchmesse) zunächst darum, die unterschiedlichen Akteure des georgischen Kinderbuchmarktes zu betrachten und sich über dessen Entwicklung seit dem Ende der Sowjetunion klarer zu werden:   Was für Bücher lesen Kinder in Georgien? Wo bekommen sie sie her? Was kaufen georgische Eltern für ihre Kinder? Wie sind v.a. Illustratoren in der Kinderbuchszene Georgiens vernetzt – mit Verlagen? Wie ist es um die internationalen Kontakte von georgischen Illustratoren (und Autoren) sowie Kinderbuchverlagen bestellt?   Im zweiten Abschnitt der Diskussionsrunde ging es um praktische Überlegungen und konkrete Möglichkeiten, den lokalen Kinderbuchmarkt in Georgien und insbesondere das Segment des Bilderbuches zu stimulieren.   Als wesentlicher Knackpunkt wurde die fehlende Kommunikation und Netzwerkbildung zwischen den verschiedenen Buchmarktakteuren angemerkt. Sinnbildlich verdeutlichte das bereits die Zuhörerschaft der Podiumsdiskussion: Lediglich ein georgischer Verleger war erschienen, niemand aus dem Buchhandel, anwesend waren Bibliothekare, Lehrer, Eltern, Illustratoren.   Doch wie ist es um die aktuelle georgische Kinderbuchwelt bestellt? Offenbar herrscht – noch aus Zeiten der Sowjetunion – bei vielen Eltern, die als Käufer für die Bücher ihrer Kinder stehen, die Vorstellung, ein gutes Buch für Kinder müsse über eine anständige Masse an Text verfügen, die Rolle der Illustration in einem Kinderbuch sei untergeordnet und dekorativ. Auch diene ein Buch in erster Linie der Wissensvermittlung (utilitaristische Kinderliteratur; Sachbuch); die Vorstellung von einem (Bilder-)Buch als Ort imaginativen Potenzials stehe dabei hinten an. Überhaupt handele es sich bei der Gattung „Bilderbuch“ im Verständnis vieler georgischer Eltern und Verleger eher um ein illustriertes Buch, das über Bilder und über eine größere Menge an Text verfügt. Ein Bilderbuch, bei dem die Illustrationen die Geschichte erzählen (und weniger der Text), sei neu und bisher noch nicht auf dem georgischen Kinderbuchmarkt etabliert.   Dies gelte bisweilen auch für zeitgenössische Kinderbuchautorengrößen, die trotz ihres internationalen Renommees nicht wirklich Fuß fassten auf dem  georgischen Kinderbuchmarkt; als Beispiel wurde hier die Gewinnerin des Astrid Lindgren Memorial Awards 2014 – die Schwedin Barbro Lindgren – angeführt. Klassiker, wie Märchen von H.C. Andersen oder den Gebrüdern Grimm, seien beliebt und versinnbildlichten das typische Kinderbuch bzw. den prototypischen Erzählstoff eines Kinderbuches. Aktuelle Themen (womöglich problemorientiert) hätten es hingegen schwer.   Als weitere Herausforderung für den Kinderbuchmarkt wurde aus demPublikum vorgebracht, dass es in Georgien womöglich noch keine ausgeprägte, gebildete Mittelklasse gäbe, die an neuen Buch- und Erzählformen interessiert wäre. Mögliches Gegenargument hier: Vielleicht fehlt jener Mittelklasse bisher aber auch einfach das zu ihr passende Kinderbuch in Georgien.   Vor diesem Hintergrund, der sich auch an die Frage koppelte, warum Eltern in Georgien offenbar kaum aktuelle belletristische Kinder- oder gar Bilderbücher kauften, kam die Idee einer „leichten“ Heranführung der Leser an neuartige Buchformate oder eine neuartige Bildästhetik auf. Wenn der aktuelle Bilderbuchmarkt in Georgien scheinbar erst am Anfang seiner Entwicklung und Entstehung sei, könne bspw. eine moderne Form des Illustrierens sowie der Buchgestaltung über eine Einbindung in bekannte und beliebte Gattungen wie Kindersachbuch oder gar dem Schulbuch an die Leser und deren Lesegewohnheiten herangetragen werden.   In Bezug auf das Text-Bild-Verhältnis kam auch die Frage nach der frühkindlichen Erziehung mit Büchern auf. Hier wären Bilderbücher und ihre Bilder schließlich die maßgeblichen Transporteure des Inhaltes. Erneut kam aus dem Publikum die Rückmeldung, dass vor allem illustrierte Ausgaben von Märchenklassikern den Jüngsten angeboten würden oder bisweilen illustrierte Heftchen von minderer Qualität. Letztere seien nach wie vor dominant. Inwieweit sich dahingegen sogenannte „anspruchsvolle“ Kinderliteratur bzw. Bilderbücher in Georgien behaupten könnten blieb unklar. Allerdings wies das Podium auch darauf hin, dass es in vielen Buchmärkten typischerweise ein Missverhältnis, aber auch eine Abhängigkeit zwischen Massenproduktion und „anspruchsvoller“ Kinderliteratur gäbe: Einige Verlage vertrieben „Massenbücher“, um die Kosten für die Produktion eines qualitativ höherwertigen Buch einzuspielen.   Eine grundsätzliche Überlegung sei dabei auch, dass sich die Qualität von Illustration als Kunstform anders bemesse als die Qualität eines guten Bilderbuches mit Illustrationen als dessen zentralem Element. Das zeigte sich auch anhand der während der Tbilisi Book Days ausgestellten Illustrationen georgischer Künstler: Nicht viele der gezeigten Bilder waren Teil von veröffentlichten Bilderbüchern; sie präsentierten sich in erster Linie als eigene Kunstform.   Für die Entwicklung neuer, ansprechender Bilderbücher sei es darum notwendig, dass georgische Illustratoren zunächst von Seiten der Verlage, von Seiten der Kritik (die allerdings bisher kaum existiere für den Bereich Kinderliteratur) und der Leser eine Rückversicherung erhielten, dass ihre Arbeit von Wert und Bedeutung sei. Auch wäre es eine Stimulanz für den georgischen Kinderbuchmarkt, internationale Impulse auszugreifen und bspw. internationale Bilderbücher nach Georgien zu bringen und diese zu verbreiten. Die Illustratoren aus Georgien wiederum, sollten sich international vernetzen, ausländische Illustratoren für den Erfahrungsaustausch nach Georgien einladen und sich selbst über ein professionelles Portfolio auf internationalen Buchmessen vorstellen. Auch seien Stipendien und die Einbindung in Künstlerorganisationen sowie die Teilnahme an Illustrationswettbewerben von großem Wert für die Entwicklung einer neuen Bilderbuch- bzw. Illustrationskultur. Auch über die Entwicklung einer Art Ratgeber für den Beruf „Illustrator“ wurde nachgedacht.   Für den gesamten georgischen Kinderbuchmarkt gelte es, die Kommunikation zwischen Machern, Verkäufern (Buchhandel), Käufern und Vermittlern (Lehrern, Bibliothekaren) von Kinder- und Jugendbüchern zu stärken und Aktionen zur 1.) Leseförderung und 2.) Buchevaluation (feuilletonistische Kritik, Kinderbuchpreise) anzuregen. Der Wandel des georgischen (Kinder-)Buchmarktes müsse in erster Linie von innen heraus stattfinden und das mit dem Bewusstsein, dass Kinder und ihre Bildung (geistig, emotional, imaginativ) wichtig sind und es darum eine große Vielfalt guter Kinder- und Bilderbücher brauche.   Dass sich allerdings bereits einiges tut und es womöglich nur eine Frage der Zeit ist, bis sich der georgische Kinderbuchmarkt endgültig vom Sowjeterbe loseisen kann, dafür gab es einige Anzeichen. Bereits die Tatsache, dass sich eine mehrstündige Podiumsdiskussion dem Thema der aktuellen sowie der zukünftigen georgischen Kinderliteratur widmete und es Illustrations- und Bilderbuchausstellungen auf den Tbilisi Book Days gab, deutet an: Es kommt was in Bewegung.   Darüber hinaus gab es an den georgischen Verlagsständen neben der üblichen Massenware durchaus Überraschendes und mutige Veröffentlichungen zu entdecken: Damit sind weniger die Pippi-Langstrumpf-Bilderbuch-Adaptionen (mit Originalillustrationen von Ilon Wikland) gemeint, sondern vielmehr, dass es zum Beispiel das eigenwillige norwegische Bilderbuch „Garmans Sommer“ auf Georgisch gibt. Vor diesem Hintergrund ist es in jedem Fall wünschenswert, sowohl im noch nicht gefestigten Segment des Bilderbuches als auch im Bereich des erzählenden Kinderbuches in Zukunft auch mutige, einheimische Illustratoren und Autoren zu Wort oder „zu Stift“ kommen zu lassen.

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Aktuelle georgische Illustrationskunst - Ausstellung Tbilisi Book Days 2014

Vom 27. bis zum 30. November 2014 fanden die Tbilisi Book Days statt, in deren Rahmen eine spannende Ausstellung aktueller georgischer Illustrationskunst zu sehen war:

 

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„Das Düstere und das Heitere – Mroczne i zabawne“: 2. Internationales Festival für illustrierte Kinder- und Jugendliteratur in Müncheberg (Mark), Frankfurt (Oder) und Buckow

Treffen sich namhafte deutsche, polnische, litauische und tschechische Illustratoren in der Märkischen Schweiz. – Kein Witz, sondern Tatsache! Noch bis zum 12. November 2014 dreht sich eine knappe Stunde östlich von Berlin alles um Düsteres und Heiteres in der Kinderbuchillustration. Vor allem am vergangenen Wochenende ging es rund am zentralen Veranstaltungsort – der Pfarrkirche in Müncheberg, die zugleich Ortsbibliothek und Eventmagnet ist: Buchstabenverfremdungsworkshop der litauischen Künstlerin Lina Dudaitė WP_20141108_010 Das Sechs-Meter-Giraffe-Malen und das Hören kurioser Kurzgeschichten über blau-rot- chamäleonäugige Wasserhahnwesen mit Litauens bekanntestem Illustrator Kestutis Kasparavičius.

Das Erraten von live gezeichneten, verbildlichten Sprichworten des tschechischen Meisters der Linolschnittillustration Chrudoš Valoušek, untermalt von singender Säge und Beatbox-Geräuscheteppich. Am Samstagabend galt es dann einerseits sich Gedanken zu machen über Zensur und Selbstzensur im Bilderbuch, wie es die polnische Illustratorin Gabriela Cichowska, der deutsche Bilderbuchkünstler Nikolaus Heidelbach und Litauens Kestutis Kasparavičius taten. Dahinter stand auch die Frage, was Kindern in Bilderbüchern zumutbar ist und wer darüber entscheidet. Andererseits galt es auch das 25. Jubiläum des Mauerfalls zu feiern: In einer Mischung aus Lesung (Nadia Budde), Unplugged-Konzert und persönlichen Erinnerungen an Kindheiten und Leben dies- und jenseits des Eisernen Vorhangs feierten Künstler, Veranstalter und Publikum am Samstagabend im wahrsten Sinne ihr Beisammensein. – Dass eine litauische Illustratorin in einem ausgedienten Festsaal auf dem Gebiet der ehemaligen DDR über die Begeisterung der Litauer für polnisches Fernsehen, das so viel westlicher war als das der Sowjetunion, einem Ost-West-Publikum erzählt und danach Pink Floyd’s „Wish you were here“ ansagt, wäre ohne Mauerfall und Co. sicherlich nur als Witz oder Märchen denkbar gewesen. ViVa Vostok, ViVa Zapad.

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Radek Malý und Tamta Melaschwili auf dem White Ravens Festival

Vom 19. bis zum 24. Juli ließ sich in München und ganz Bayern ein Schwarm besonderer Vögel nieder: Weiße Raben. Im Rahmen des 3. White Ravens Festivals für internationale Kinder- und Jugendliteratur trafen 16 „Weiße Raben“, d.h. herausragende und außergewöhnliche Autoren und Illustratoren aus 11 Ländern bei ca. 80 Lesungen, Diskussionsrunden und Workshops auf junges und älteres Publikum. Mit dabei waren auch zwei ViVaVostok-Gäste: zum einen der großartige tschechische Kinderlyriker Radek Malý, und zum anderen die georgische Autorin Tamta Melaschwili, die 2013 für ihr Buch „Abzählen“ mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde. Neben vielen Lesungen für Schulklassen in Augsburg, Gersthofen, Mühldorf, München, Nürnberg oder Waldkirchen traten beide Autoren auch vor einem erwachsenen Publikum auf: Radek Malý gab in einem „Lyriktandem“ mit dem Kieler Kinderlyriker Arne Rautenberg im Münchner Lyrik Kabinett frische und erhellende Einblicke in sein Schreiben und Arbeiten: Neben der augenzwinkernden Erkenntnis, dass ein Kindergedicht vor allem lustig sein müsse, es sich reimen solle und dass Tiere unbedingt darin vorkommen müssten, durfte sich das Publikum aber auch an Limericks über einsame Postboten aus Peine, der fremde Post liest, oder ein Gedicht über das bourgeoise Treiben auf der untergehenden Titanic freuen.

Radek Malý und sein Übersetzer Mirko Kraetsch.

Radek Malý und sein Übersetzer Mirko Kraetsch.

Tamta Melaschwili diskutierte zusammen mit dem italienischen Festivalgast Fabio Geda und Moderatorin Lena Gorelik in einer spannenden und tiefgehenden Gesprächsrunde darüber, wie man über Krieg, Flucht und existenzielle Grenzerfahrungen schreiben kann oder sollte, denn beide Autoren erzählen in ihren Büchern von Kindern und Teenagern und deren Aufwachsen in Konfliktzonen und Krisengebieten.
Tamta Melaschwili im Gespräch mit ihrer Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani (re.) sowie Moderatorin Lena Gorelik (li.).

Tamta Melaschwili im Gespräch mit ihrer Übersetzerin Natia Mikeladse-Bachsoliani (re.) sowie Moderatorin Lena Gorelik (li.).

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viva literatura berlin - Kinderbuchillustration aus Mittel- und Osteuropa

Vom 15. Juni 2014 bis zum 20. Juni 2014 feierte in Berlin  viva literatura - das Festival für mittel- und osteuropäische Kinder- und Jugendliteratur dank der Organisation von kulturkind e.V. seine Premiere. Eine wunderbare Woche mit Workshops, Künstlerakademie, Ausstellungen und dem "West-Östlichen Buchsalon" hat auch mit der Unterstützung von ViVaVostok stattgefunden.

aus dem Workshop mit Piret Raud

aus dem Workshop mit Piret Raud

Neben dem Rückblick auf das großartige Festival mit Mari Takacs aus Ungarn, Damijan Stepančič aus Slowenien, Pavel Čech aus Tschechien, Piret Raud aus Estland, Zina Surova aus Russland sowie Katarzyna Bogucka aus Polen ist der Vortrag von Katja Wiebe auf dem West-Östlichen Buchsalon von viva literatura über die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur aus Mittel- und Osteuropa zusammen mit einer Bibliografie hier abrufbar:

viva literatura: Vortrag "Aktuelle Kinder- und Jugendliteratur aus Mittel- und Osteuropa"

viva literatura: Bibliografie zur aktuellen Kinder- und Jugendliteratur aus Mittel- und Osteuropa

aus dem Workshop mit Mari Takacs

aus dem Workshop mit Mari Takacs

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ViVaVostok im Rhein-Main-Gebiet

In den letzten Tagen ist viel los gewesen an einigen Schulen und Bibliotheken im Rhein-Main-Gebiet: Unter dem Motto "Wir leben alle unter dem gleichen Himmel" kamen zunächst die "Slowaken" mit Jugendbuchautor Juraj Šebesta und Illustratorin Katarína Slaninková. - In einer tollen Kombination aus Lesung und Live-Illustration stellten sie ihr gemeinsames Buch "Venussha" vor:

http://ndp.fnp.de/lokales/wetterau/Den-Osten-entdecken;art677,844890

Danach war die Moskauer Autorin Svetlana Prudovskaja mit ihrem Sachbuch über die Entstehung des Buches an der Reihe und gestaltete mit ihrem jungen Publikum Papyrus-Rollen:

http://ndp.fnp.de/lokales/wetterau/So-wie-einst-die-alten-Aegypter;art677,857509

Nun steht noch der Besuch des polnischen Jugendbuchautors Marcin Szczygielski im Rhein-Main-Gebiet an. - Dann wird es unheimlich: Die Geschichte um "Die schwarze Mühle" hält einige Schauermomente für die Schülerinnen und Schüler bereit!

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Wiwat Polska! – ViVaVostok zu Gast auf Kirango

Am 19. März 2014 luden die Büchereien Wien im Rahmen ihrer Büchereiwochen unter dem Motto "FarbenLesen" zu einem Workshop mit der polnischen Illustratorin Marta Ignerska und ihrem Bilderbuch "Die Tonangeber" ("Wszystko gra") ein. Das Motto "FarbenLesen" war Programm, wie die Fotos zeigen. Workshop Marta Ignerska Marta Ignerska spielte DJ und ließ gut 40 Kinder zu Björk, Tom Waits, klassischer Musik, Jazz und Janis Joplin Töne, Rhythmen, Stimmfarben und Melodien malen. Workshop Marta Ignerska Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Workshop Marta Ignerska

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viva literatura! - 15. Juni 2014 – 20. Juni 2014. Berlin.

viva-literatura_LogoFestival der Kinderliteraturen Mittel- und Osteuropas lädt herausragende Kinderbuchillustratoren aus Mittel- und Osteuropa ein, damit sie ihre Werke auf vielfältige Art und Weise ihrem Publikum präsentieren können. Künstlerinnen und Künstler aus Estland, Polen, Russland, Slowenien, der Tschechischen Republik und Ungarn und werden aus ihren aktuellen Büchern lesen und erzählen, Workshops leiten und über sich und ihre Arbeit sprechen.

Junge Leser sind eingeladen, als Teilnehmer dieser Veranstaltungen in für sie noch unbekannte Lebenswelten einzutauchen, um mit den Autoren und Illustratoren in einen lebendigen und kreativen Austausch zu treten. Unterschiedliche Programmpunkte regen zur aktiven Auseinandersetzung mit der Illustrationskunst und der Kinderliteratur der beteiligten Länder an und schaffen auf diese Weise den Brückenschlag zwischen den Kulturen.

Im Mittelpunkt des Festivals stehen die Begegnungen der Autoren und Illustratoren mit ihren jungen Lesern.

Folgende künstlerischen Gäste darf viva literatura! 2014 in Berlin begrüßen:

  • Piret Raud (Estland)
  • Katarzyna Bogucka (Polen)
  • Zina Surova (Russland)
  • Damijan Stepančič (Slowenien)
  • Pavel Čech (Tschechische Republik)
  • Mari Takacs (Ungarn)

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